Fakten zum Segelrevier und zum Neusiedlersee

Allgemeins

Als Steppensee mit geringer Wassertiefe (etwa 1,5 m) wird der Neusiedler See vor allem von Regattaseglern anderer Reviere oft als feuchte Wiese bezeichnet. Diese fast beleidigende Bezeichnung hält jedoch auch jene nicht davon ab, immer wieder gerne zu kommen.

Auf keinem anderen See Österreichs bläst so häufig Wind; scheint so oft die Sonne.

Gemeinden am Neusiedlersee

Der See liegt 114 Meter über dem Meeresspiegel, bedeckt ca. 320 km² und erreicht bei einer Breite von 6-14 Kilometern von Österreich bis Ungarn eine Länge von 36 Kilometern. Entfernte Orte können wegen der Erdkrümmung über das Wasser nicht gesehen werden. Die Höhe der Kalotte zwischen Neusiedl und Mörbisch beträgt 9,60 m. Funker benötigen also eine hohe Antenne. Die geographische Länge des Sees beträgt 17°45' und die geographischen Breite 47°50'.

Der Seeboden besteht aus Tonsediment. Durch Wellenbewegungen und Strömungen erfolgt ein stetes Abrasieren der Bodenoberfläche.

Durch diese im Wasser schwebenden Partikel entsteht die typische Trübung des Wassers. Es entsteht nahezu kein Algenwachstum, da kein Licht bis auf den Boden kommt, ein erhöhter Salzgehalt des Wassers das Wachstum hemmt und weil das Wasser ständig durchgemischt wird.

Der Grund des Sees besteht aus Schlamm, der in Ufernähe sehr weich, am offenen See relativ hart ist. 90%-95% des Schlamms stammen vom See selbst (Tonsediment, Biomasse). In Ungarnist das Schlammvolumen 2-3 Mal so groß wie im österreichischen Teil des Sees. Teilweise finden sich am Grund des Sees auch Schotterablagerungen. Besonders im Bereich der Parndorfer-Platte.

Die blau-grüne Färbung des Seewassers entsteht durch den Schlamm, sagt jedoch nichts über die Wasserqualität aus.

Der See wird von einem Schilfgürtel umschlossen, der heute etwa 60% der Wasserfläche bedeckt. Er variiert stark in seiner Breite und erreicht an manchen Stellen eine Stärke von fünf Kilometern.

Aus meteorologischen und hydrologischen Gründen ist der Schilfgürtel am Westufer viel stärker als im Osten.

Seit der Wasserstandsregulierung 1965 wurde das wasserseitige Schilfwachstum stark verlangsamt. Durch ein zurückgehen landwirtschaftlicher Nutzflächen breitet sich das Schilf aber landseitig weiter aus.

Ca. 10% der Schilffläche werden industriell genutzt (z.B.: Dämmstoffe, Biowärme). Im Winter werden begrenzte Bereiche kontrolliert abgebrannt. Diese Flächen sind jeweils meist 3-5 Hektar groß. Für die Abbrennung von Schilf sind Genehmigungen von Naturschutz und Gemeinden einzuholen.

Eine Durchquerung des Schilfgürtels zu Fuß ist im Sommer unter keinen Umständen möglich und auch im Winter sehr gefährlich.

Die Wasserqualität des Neusiedler Sees wird u.a. von der Biologischen Station in Illmitz überwacht. Durch Bau und Erneuerung von Kläranlagen rund um den See konnte die Wasserqualität seit Ende der 1970er Jahre deutlich verbessert werden.

Der Gesamt-Phosphor Gehalt wurde im Jahresmittel von ca. 160 µg/l auf etwa 40-50 µg/l gesenkt.

Ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal ist die sogenannte Eutrophierung. Die Eutrophierung fasst den Vorgang der zunehmenden Anreicherung eines Gewässers mit Pflanzennährstoffen und die dadurch verursachten Prozesse, die einen fortschreitenden Verfall des Gewässers bewirken, zusammen. Es gibt vier Stufen der Trophie (Nährstoffmenge):

polytropheutrophmesotropholigotroph

sehr hohe Nährstoff-menge

hohe Nährstoff-menge hohemittlere Nährstoff-mengewenige Nährstoffe
enorme Algen-vermehrung, meistens mit vielen BlaualgenAlgen-vermehrung manchmal Algenblütemittlere Algen-vermehrung Algenblüte manchmal möglichwenige Algen
sehr wenig Sauerstoffwenig Sauerstoffmittlere Sauerstoff-mengeviel Sauerstoff

Die Wasserqualität des Neusiedler Sees bewegt sich heute zwischen mesotroph und oligotroph und ist damit ausgezeichnet. Obwohl der See überall Badewasser-Qualitätaufweist, sind die Uferzonen (z.B.: Freibäder) stärker belastet als das freie Wasser in der Seemitte.

Eine Anmerkung noch zur - vor allem im Tourismus - oft strapazierten "Trinkwasser-Qualität". Kein österreichischer Badesee weist Trinkwasserqualität auf. Dazu müsste das Wasser allen Anforderungen für echtes Trinkwasser entsprechen. Das Wasser des Neusiedler Sees ist sehr sauber und - Segler und Surfer können dies bestätigen - kann auch bedenkenlos geschluckt werden. Aber es unterscheidet sich klarerweise vom Trinkwasser im Haushalt. Dieses unterliegt wesentlich strengeren Auflagen.

Sportfischer erhalten Fischereikarten für den Neusiedler See. Die Karten können am Magistrat Rust, Conradplatz 1, gelöst werden.

Die Tageskarte kostet derzeit ca. EUR 11 und die Wochenkarte ca. EUR 33. Gesetzliche Schonzeiten und die Brittelmaße sind unbedingt zu beachten:

Schonzeiten & Brittelmaße:
Hecht: 1. Feber - 31. März, 30 cm
Zander: 1. April - 30. April, 35 cm
Karpfen: 1. Mai - 30. Juni, 25 cm
Schleie: 16. Mai -30. Juni, 20 cm
Wels: 16.4. - 30.6., 50 cm
Aal: 40 dag

Die Gültigkeitsdauer der Berechtigung und die Anzahl der Fanggeräte sind genau einzuhalten.

Verboten ist:
a) Das Fischen mit Legeangeln und Gaberln.
b) Das Anfüttern von Fischen und Fischen unter Eis.
c) Das Fischen vom Boot während der Nachtzeit.
d) Der Aufenthalt und das Fischen im Schilfgebiet.

Der See beherbergt etwa 30 Fischarten, wobei die größte Artenvielfalt an den Schilfrändern zu beobachten ist. Unter anderem sind Aal, Bartgrundel, Blaufelchen, Weißfelchen bzw. Bodenrenke, Flussaal, Großer Stichling, Hecht, Karausche, Karpfen, Moderlieschen, Rotfeder, Schlammpeitzger, Schleie, Wels und Zander vertreten.

Von den Berufsfischern am See werden mittels Reusen vor allem die Speisefische Aal, Zander, Karpfen und Hecht gefischt. Der jährliche Ertrag liegt etwa bei 50 Tonnen. Die Fischerei in den Naturschutzgebieten Wörtenlacken und Lange Lacke wurde eingestellt, d.h. die Fischereirechte wurden von der Landesregierung abgelöst.

Jährlich werden Fische im See ausgesetzt. Die Besatzmaßnahmen sind seit 1975 in einem bilateralen Vertrag mit Ungarn geregelt. Der Aal ist im See nicht heimisch und pflanzt sich auf natürlichem Wege nicht fort. Er ist der wichtigste Fisch für die Berufsfischerei.

Immer wieder starben die Fische im Neusiedler See aus. Zuletzt bildete sich bei niedrigem Wasserstand 1929 eine durchgehende Eisdecke, die bis zum Seeboden reichte und alle Fische verenden ließ.

Alle von Berufsfischern ausgebrachten Reusen sind einheitlich mit weißen Bojen gekennzeichnet um sie für Wassersportler sichtbar zu machen. Um sich selbst und den Fischern Ärger, Mühe und Kosten zu ersparen, sollten diese Bojen in gebührlichem Abstand umfahren werden.

Behördliche Vorschriften

Das Amt der Burgenländischen Landesregierung schreibt seit 1.4.1997 für alle Segelschiffe und Surfer einen optischen Notsignalgeber (weißes, helles Funkellicht mit einer Blitzfolge von rund 60 Blitzen pro Minute) vor.

Dieser muss während aller Fahrten am See mitgeführt werden. Ausgenommen sind Fahrten im Rahmen behördlich bewilligter Wassersportveranstaltungen. Blinklichter sind im Regattabüro des BYC käuflich zu erwerben.

Da der Neusiedler See ein Naturschutzgebiet ist, sind Fahrten mit dem Motorboot verboten. Ausnahmen gibt es nur für die Berufsschifffahrt und Regattabegleitboote. Letztere müssen aber in jedem Fall Einzelgenehmigungen einholen.

Boote mit Übernachtungsmöglichkeit sind zur Mitführung einer Chemie-Toilette verpflichtet.

Das Kite-Surfen ist nur bei Tag und von 10. Mai bis 20. September nur in 200 Metern Abstand vom Ufer gestattet. Nähere Details finden sich in der entsprechenden Verordnung.

Einen Überblick über alle Rechtsquellen zur Schifffahrt in Österreich findet sich auf der Website des Landessegelverbandes Burgenland.