Revierinformation Neusiedler See - Wasserstand

Mit Ausnahme der Kriegsjahre 1939 und 1945 liegen die offiziellen Pegelstände lückenlos für jedes Monat ab 1932 vor.

Bis 1964 erfolgte die Pegelablesung ausschließlich in Neusiedl am See. Mit Beginn der Wasserstandsregelung 1965 stellt der Pegel den Ruhewasserstand am Monatsletzten dar. Aus diesem Ruhewasserstand sind Windverfrachtungen weitestgehend eliminiert, da die Hydroghraphie sämtliche Pegelmessstellen mittelt. Nur bei sehr starken Verfrachtungen kann kein verlässlicher Wert ermittelt werden. Die eingebundenen Pegel kommen aus Mörbisch, Rust, nach Möglichkeit von der Grenzstelle A 79, Breitenbrunn, Podersdorf, Illmitz und Neusiedl.

Im Winter halten alle Pegelbeobachter den unmittelbaren Lattenpegelbereich mit entsprechender Ausrüstung eisfrei. Dadurch ist der angegebene Wasserstand jener, welcher entstehen würde, wenn die Eisdecke und allenfalls darauf aufliegender Schnee schmelzen würde, weil Schnee und Eis im Winter als Gewichtsäquivalent auf den freien Wasserspiegel einwirken. Das "Hängen" und "Aufliegen" des Eises im Uferbereich ist nach Erfahrung und Einschätzung des Hydrographischen Dienstes unter Berücksichtigung der Grösse der freien Seefläche nicht von Relevanz. Auch wenn der See über längere Zeit zugefroren ist, führt dies nicht zu einem höheren Wasserstand im Frühjahr.

Der Hydrographische Dienst hat rund um den Neusiedler See acht Messstellen für den Wasserstand eingerichtet, die von jedermann betrachtet werden können:

  • Mörbisch (rote Mess-Latte)
  • Rust (rote Mess-Latte + Anzeige-Display)
  • Breitenbrunn (2 rote Mess-Latten)
  • Neusiedl (rote Mess-Latte + Anzeige-Display)
  • Podersdorf (rote Mess-Latte)
  • Illmitz/Biologische Station (rote Mess-Latte)
  • A 79 (rote Mess-Latte)

Alle diese Pegel sind auf den Nullpunkt von 114,00 Metern über der Adria (müA) geeicht.

Die folgende Aufstellung beschreibt extreme Wetterereignisse, die Auswirkung auf den Wasserstand des Neusiedler Sees haten.

Volumen: Bei einem mittleren Wasserstand von 115,50 müA beträgt das Seevolumen etwa 325 Mio m³. Die größte gemessene Zunahme des Volumens erfolgte 1965. In nur einem Monat legte der See 100 Mio m³ Wasser zu, was den Pegel um 35 cm anhob.

Überschwemmung: Beim Hochwasser 1995/96 standen 30.000 Hektar der Uferregionen und damit sehr viele Ackerflächen bis zu einem dreiviertel Meter unter Wasser. Damit waren die überfluteten Gebiete genau so groß, wie der See selbst.

Verdunstung: In einer Hitzeperiode kann an einem einzigen Tag mehr als 1 cm Wasser verdunsten. In trockenen Jahren verschwinden auf diesem Weg 800 bis 900 mm, während es in feuchten Jahren nur 400 bis 450 mm sind. Im Schilfgürtel tritt stärkere Verdunstung auf, als am freien Wasser.

Windverfrachtung: Bei starkem Wind über längere Zeit können die Pegelunterschiede zwischen Apetlon A79 und Neusiedl über 100 cm (!) betragen.

Austrocknung: Der See war vermutlich schon mehr als 100 Mal vollständig ausgetrocknet. Zuletzt berichtete 1861 ein Podersdorfer Pfarrer seinem Ruster Kollegen, dass er von Podersdorf nach Oggau zu Fuß über den See ging. Später wurden auch Steine verlegt und Pferdefuhrwerke überquerten den See.

Für den Wasserhaushalt und damit auch für den Wasserstand sind folgende Komponenten maßgeblich:

  • Niederschlag (N)
    Der Gebietsniederschlag auf die Seefläche wird nach der Methode der Thiessenpolygone für die Stationen Donnerskirchen, Podersdorf, Neusiedl, Mörbisch, Rust, Apetlon und Fertöujlák ermittelt.
  • Verdunstung (V)
    Die Ermittlung erfolgt mittels einer empirischen Formel durch die Zentralanstalt für Meteorolgie und Geodynamik (ZAMG). Im Winter ist die Verdunstung wegen kühlerem Wetters und Vegetationsruhe geringer als im Sommer.
  • Oberirdischer Zufluss (Zo)
    Maßgeblich sind die Pegel Wulka/Schützen am Gebirge, Golser Kanal/Gols und Rákos patak/Fertörákos.
  • Unterirdischer Zufluss (Zu)
    Der unterirdische Zufluss ist vernachlässigbar gering.
  • Oberirdischer Abfluss (Ao)
    Die Erfassung erfolgt an der Wehranlage Mekszikópuszta ("Einserkanal").

Untersuchungen ergaben, dass maßgebliche unterirdische Zuflüsse oder ein Einfluss von Niederschlägen vergangener Jahre nicht nachweisbar sind. Deshalb ist es auch nicht möglich, mittelfristige Wasserstandsprognosen (zB 6 Monate) zu errechnen.

Die Formel:

[Zo+Zu]+N-V-Ao=0
46+202-223-25=0 in Mio m³
145+643-707-81=0 in mm

Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, dass das Wasservolumen des Neusiedler Sees überwiegend vom Niederschlag und der Verdunstung bestimmt wird. Der oberirdische Abfluss über den Hanságkanal macht nur etwa 8 Prozent aus.

Im Gegensatz zu den restlichen Seen in Österreich liegt der Neusiedler See in der semi-ariden Klimazone und verfügt über ein sehr kleines Einzugsgebiet (jene Fläche, aus der Regen in den See fließt), dass nur 3,5 mal so groß wie der See selbst ist. Fällt ein Regentropfen direkt auf die Seefläche, so wirkt er sich voll auf den Wasserstand aus. Fällt er irgendwo sonst im Einzugsgebiet zu Boden, so gilt ein Abflussbeiwert von 0,10 bis 0,15. Also nur einer von zehn Regentropfen zählt voll für den Wasserstand. Die Wasserbilanz schwankt in Abhängigkeit der meteorologischen Gegebenheiten zwischen Wasserdefiziten und Wasserüberschüssen und weist im vieljährigen Mittel einen Überschuss von 25 Mio m³ auf.

Die Wasserbilanz ist sehr labil und kann in langen niederschlagsarmen Perioden zu einer extremen Verringerung des Wasservolumens führen.

Seit 1965 wird der Wasserstand an der Wehranlage Mekszikópuszta nach fixen Vorschriften beeinflusst. Deren Festlegung erfolgt durch die bilaterale Gewässerkommission.

Seit 1996 provisorisch und seit 2001 fix gilt folgende Regelung:

Die Schleuse wird zu folgenden Zeiten und bei Überschreitung folgender Wasserstände geöffnet:

Oktober - Februar> 115,60 müA
März & September> 115,65 müA
April - August> 115,70 müA



Geschlossen wird die Wehranlage dann, wenn der selbe Wert unterschritten wird. Nach oben hin werden je nach Witterung Abweichungen bis zu 5 cm toleriert, bevor die Schleuse geöffnet wird.

Vor 1996 lagen die Öffnungswerte der Schleuse um ca. 25 cm niedriger und es wurden Durchschnittswerte der vergangenen drei Jahre für die Berechnung einbezogen. Damals vermutete man einen stärkeren Einfluss des Grundwasserspiegels auf den Seewasserstand. Untersuchungen bestätigten aber, dass 29 unterschiedliche Grundwassersektionen im Seewinkel existieren, die sich mit dem See nicht wie kommunizierende Gefäßeverhalten (das hieße, dass überall der gleiche Wasserdruck herrschte). In diesem Fall könnte der Wasserstand auch langfristig prognostiziert werden. Aufgrund der neuen Erkenntnisse wurden die alten Regelungen verworfen und neue Grenzwerte festgelegt.

Eine weitere Anhebung der Schleusenwerte um ca. 10 cm wird überlegt. Eine Entscheidung darüber ist aber erst nach dem Beobachtungszeitraum 2001-2003 zu erwarten.

Erfolgt nun die Öffnung der Wehranlage, so beginnt die Ablassung nicht mit voller Kapazität. Erst nach einiger Zeit liegt im Bedarfsfall Volllast an.

Die Schleusenkapazität liegt maximal bei 15 m³ pro Sekundebzw. bei 1,3 Mio m³ pro Tag. Um in einer Hochwasser-Situation 10 cm Wasser abzulassen, muss die Schleuse bis zu 25 (!) Tage voll geöffnet sein. Die Wassermenge, die einem Zentimeter des Neusiedler Sees ausmacht, beträgt etwa 3 Mio m³. Dies entspricht der gesamten Österreichischen Weinproduktion eines Jahres.

Während der Sommermonate wird die maximale Kapazitätder Schleuse nicht erreicht, da in Ungarn die Ableitungen der Bewässerungsanlagen für landwirtschaftliche Nutzflächen ebenfalls in den Hanságkanal geleitet werden. Würde die Schleuse vollständig geöffnet, könnten die Abwässer nicht abrinnen sondern würden auf die Felder rückgestaut werden. Das Wasser des Neusiedler Sees wird also nicht zur Bewässerung ungarischer Felder benutzt. Die einzige Wasserentnahme dient zur Auffüllung kleiner Wasserbecken eines Bio-Reservats im Naturschutzgebiet. Diese Entnahmen sind mit weniger als 4 mm pro Jahr vernachlässigbar.

Aufgrund der beschränkten Entnahmekapazität an der Schleuse können extreme Anstiege des Wasserstandes kurzfristig nicht ausgeglichen werden.

Da die Oberkante der Wehranlage auf etwa 116,50 müAliegt, kann auch bei starken Windverfrachtungen kein Wasser über das Wehr hinwegfließen, wenn dieses geschlossen ist.

Der Hydrographische Dienst in Eisenstadt ist per Fernüberwachung stets über die aktuellen Bedingungen an der Wehranlage informiert. Zusätzlich erfolgen wöchentliche Kontrollfahrten.

Das trotz geschlossener Wehranlage im Hanságkanal stehende Wasser stammt von anderen Zubringern und vom Grundwasser.

Warum auf eine Schleusenregelung nicht gänzlich vezichtet werden kann und der Kanal so ständig geschlossen bliebe, liegt an den unterschiedlichsten Interessensgruppen. Während Wassersportler und Fischer starke Pegelanstiege begrüßen, entstehen an landwirtschaftlichen Nutzflächen massive Schäden. Auch das Kanalsystem der Seegemeinden wäre betroffen. Da der Bund in diesem Fall schadenersatzpflichtig wird, müssen extreme Wasseranstiege hintangehalten werden.

Links zum Wehr:

  • Pegelstände am Wehr:http://www.edukovizig.hu/ferto_to
    Es lassen sich die Pegelstände "felviz" (ober Wehr) und "alviz" (unter Wehr) sowie die Höhe der Wehrtafeln-Oberkanten ablesen. Bei den „Tafelwerten“ handelt es sich um die Oberkante der beiden Wehrtafeln. Ober- und Unterwasser haben einen Pegelnullpunkt von 114,00 müA.
  • Verlauf der Pegelstände:http://www.edukovizig.hu/napivizallas
    Hier lassen sich das Öffnen und Schließen des Wehrs gut ablesen. Wenn das Wehr geschlossen ist, fällt der Wasserstand unter dem Wehr rasch ab. Wird das Wehr geöffnet, steigt er wieder an.

Seit den 30er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts existieren Überlegungen, wie dem See Wasser aus externen Quellen zugeführt werden könnte. Damals scheiterten Pläne einer Wasserentnahme aus der Leitha.

In den 80er-Jahren, mit dem geplanten Baubeginn des Donau-Kraftwerks Hainburg entstanden Pläne, das Donauwasserzuzuleiten. Durch das Staubecken hätte ein freies Gefälle bis zum Neusiedler See bestanden. Da das Kraftwerk letztlich nicht gebaut wurde, waren die Pläne vom Tisch. Ein Zuleitung von der Staustufe Freudenau (durch Wien) kam aufgrund der großen Entfernung nie in Frage.

In früheren Jahren flutete Donauhochwasser über die Raab bis in den Neusiedler See. Seit in Györ das Hochwassertorerrichtet wurde, ist die Raab aber vor Hochwasser gesichert.

Doch auch heute wird über eine Zuleitung nachgedacht. Im Mittelpunkt der Überlegungen stand bis ca. 2002 das Raab-Rabnitz-System. Das Wasser müsste zwar angehoben werden, dies wäre aber technisch möglich. Möglicherweise könnten damit 10-15 cm Wasser pro Jahr zugeführt werden. In letzter Zeit wird erneut eine Zuleitung von der Donau favorisiert.

Die größten Stolpersteine sind die Überlegungen betreffend der Verträglichkeit dieses Fremdwassers sowie politische Überlegungen. Nur wenn die Zuleitung ökologisch vertretbar ist, die Finanzierung möglich ist und die alle politischen Interessen vereinbar sind. kann über eine Verwirklichung nachgedacht werden. Derzeit werden mehrere Varianten geprüft. Realisierungszeitraum ca. 2012. Details zur Wasserzuleitung erschienen auch in der Yachtrevue:

Eine intensive Diskussion zum Thema ist im BYC-Forum zu finden. Mit der Initiative Wasserstand Neusiedler See wurde 1995 eine Forum der Befürworter einer Wasserzuleitung ins Leben gerufen.