Der See ist unseren ILCA Seglern schon zu klein

Quereinsteigen schadet nicht

Jonah Maier und Ferdinand Steffan haben nicht die klassische österreichische Jugendseglerkarriere hinter sich. Man könnte sie auch als Quereinsteiger bezeichnen. Aufgewachsen auf den Ruster Seehütten ihrer Familien, kamen sie zwar früh mit dem Segeln in Berührung, aber nicht mit dem ambitionierten Kinderregattasegeln. Die ersten Segelerfahrungen sammelten sie auf den elterlichen Peiso 26 und Seascape Booten, sowie auf dem Optimist Konkurrent Open Bic.

Initialzündung Samstagtrainings

Nach einigen Samstagtrainings auf dem Laser sind die Beiden richtig heiß auf’s Segeln und beschließen 2021 gemeinsam einige Regatten und Trainings zu besuchen und dann 2022 mit einem ambitionierten Programm durchzustarten. Und das nicht in der Jugendklasse ILCA4 oder 6, sondern in der traditionell stark besetzten Olympiaklasse ILCA 7.

ILCA ist der alte LASER

Für alle die sich im Segelsport nicht so gut auskennen nur ein kleiner Einschub, um die Namensverwirrung nicht zu groß werden zu lassen: Aus lizenzrechtlichen Gründen heißt die Laserklasse jetzt ILCA. ILCA7 ist die Olympiaklasse für männliche Athleten. ILCA6 ist die Olympiaklasse für weibliche Athleten (vormals Radial) und die Klasse für die älteren Jugendlichen und für die Senioren. ILCA 4 entspricht dem ehemaligem Laser 4,7 und wird direkt nach dem Optimisten empfohlen.

Steile Lernkurve durch polyseglerische Aktivitäten

Lasertrainerurgestein Christian Schmid (Jesus) half sehr am Beginn, gab die ersten Tipps und berät bei der Materialauswahl. Aber neben den Lasertrainings nehmen die Beiden auch jede Gelegenheit wahr, von unseren etablierten Spitzenseglern zu lernen. Jonah Maier wurde im Vorjahr in das erfolgreiche BYC Bundesligateam eingebaut, Ferdinand verstärkt das Boat2Sail Bundesligateam. Auch beim sensationellen Matchracesieg Anfang des Monats vor Mörbisch waren Jonah und Ferdinand mit an Bord und konnten viel Erfahrung von Stefan Glanz und Tommi Czajka mitnehmen. Nirgendwo kann man Taktik und Regeln so gut lernen wie im Matchrace und bei den extrem kurzen Wettfahrten in der Bundesliga.

2022 geht es richtig los

Schon lange vor der offiziellen Saisoneröffnung wurde am BYC trainiert, zu Ostern stand das traditionelle Training in Izola (Slovenien) am Programm. Vergangene Woche ging es zur ersten wirklich großen ILCA Regatta an den Gardasee. Jonah musste zwar wegen einer Darminfektion die beiden ersten Tage auslassen, aber das trübte die gute Stimmung nur kurz.

Jonah: „Es waren 4 geile Segeltage am Gardasee. Wir konnten insgesamt 8 Wettfahrten bei starkem Wind segeln. Die ersten Erfahrungen in so einem Feld, das zu einem Drittel aus Weltcupprofis besteht, waren mega. Die Ergebnisse waren noch nicht zufriedenstellend, wobei es von Tag zu Tag bergauf ging. Allein das Erlebnis mit dem erfolgreichsten Segler aller Zeiten, dem Brasilianer Robert Scheidt (Anmerkung der Redaktion: 11-facher Weltmeister in Olympiaklassen und 5-facher Olympiamedaillengewinner), an der Startlinie zu stehen, ist schon die Reise wert.“     

Die Saison ist noch lang

2022 stehen neben allen österreichischen Schwerpunktregatten noch drei Auslandseinsätze in Polen, Deutschland und Tschechien am Programm. Dazwischen finden die Beiden noch Zeit für zwei Bundesligaeinsätze auf den brandneuen J70.

Auch BYC Sportdirektor Clemens Kruse streut den Beiden Rosen und verspricht seine Unterstützung: „Ich freue mich unglaublich über die Freude und das Engagement, das man bei Jonah und Ferdl sieht. Sie vermitteln die pure Freude am Segeln und Genießen jede Stunde am Wasser. Als Club versuchen wir Ihnen so gut wie möglich, vor allem mit Kontakten und in der Logistik zu helfen, denn das Wichtigste ist, dass sie sich gut vernetzen und von den Besten lernen. Außerdem sind sie Teil des BYC-Bundesliga Teams was mich besonders freut. Viel Erfolg Jonah und Ferdl, wir beobachten euch ganz genau.“

Noch ist nicht abzuschätzen, wohin die Reise für die gerade 19 Jahre alten ILCA Segler geht, aber der Ehrgeiz und das Engagement sind groß und auch Roman Hagara hat als Quereinsteiger ohne Optikarriere begonnen und hat es immerhin zu zwei olympischen Goldmedaillen gebracht.