TOP 10 für Kletzi bei der ORC Weltmeisterschaft

Segeln nach Ratingsystemen hat seine Vor- und Nachteile. ORC ist neben IRC weltweit die am besten funktionierende Formel. Jährlich wird eine Weltmeisterschaft ausgesegelt. Dieses Jahr wurde als Veranstaltungsort das noble Porto Cervo auf Sardinien ausgewählt. Insgesamt 69 Yachten aus 14 Nationen sammelten sich an der Startlinie, darunter leider keine österreichische. Kletzi hatte die Veranstaltung eigentlich nicht im Kalender, durch den krankheitsbedingten Ausfall des Steuermanns der deutschen „Moana", wurde er sehr kurzfristig engagiert. Nur zwei Tage vor der Langstrecke erreichte ihn der Anruf aus Porto Cervo. Die geplante Alternative für Samstag, nämlich die Südbahnmarken für das Blaue Band auszulegen, konnte da nicht überzeugen und Kletzi stieg am Freitag ins Flugzeug um diese Herausforderung anzunehmen: Unbekanntes Schiff, unbekannte Mannschaft, aber mit Karol Jablonski ein Startaktiker an Bord.

Zunächst stand eine über etwa 170 Seemeilen führende Langstrecke auf dem Programm. Karol Jablonski fand die richtigen Wege und damit beendete das Team diese Wettfahrt auf Rang 6. „Ein extrem anstrengendes Rennen", erzählte Kletzi, „vermutlich das kräfteraubendste, das ich je gesegelt bin. Das waren über 24 Stunden Vollgas mit sehr vielen Manövern, Segelwechseln und ständig wechselnden Windbedingungen von 3 bis 28 Knoten."

Porto Cervo zeigte sich danach von der flauen Seite, kein Wind am nächsten Wettfahrtstag. Doch bereits der darauffolgende Tag versprach Mistral mit über 20 Knoten. Die Moana-Crew kämpfte zunächst noch mit Speedproblemen, kam jedoch immer besser zurecht, bis bei etwa 25 Knoten Wind der Fockholepunkt explodierte. Kein guter Tag, mit den Plätzen 16 und DNF.

Etwas moderater die Bedingungen am Tag darauf. Wind von 17 bis 22 Knoten und Sonnenschein. Champagne Sailing, wie man so schön sagt. Mit den Plätzen 8 und 9 war das Team zufrieden. Oft entschieden nur Sekunden, 5 Sekunden schneller – 2 Plätze nach vor, 7 Sekunden langsamer – 1 Platz zurück. ORC lässt vernünftige Ergebnisse zu.

Wenig Wind am Schlusstag, bei 7 bis 9 Knoten Wind wurden noch zwei Rennen gesegelt. Das Moana-Team glänzte die ganze Woche über mit hervorragenden Starts, im letzten Rennen kam auch noch die Erfahrung von Karol Jablonski dazu. Seine Entscheidung, die rechte Kursseite zu wählen, erwies sich als goldrichtig und die Moana beendete das Rennen auf dem sensationellen 5. Platz. Dadurch wurde auch der angepeilte Top Ten-Platz im Gesamtergebnis locker erreicht, das Team freute sich über Rang 9.

Kletzi zieht aus seinem Ausflug eine sehr positive Bilanz:„Wir können mit dieser Leistung absolut zufrieden sein. Das Team besteht aus Amateuren, die von Karol sehr streng, aber konsequent gefordert wurden. Im Lauf der Rennen konnte ich mich gemeinsam mit dem Großsegel-Trimmer immer besser auf das Boot einstellen, das nicht einfach zu steuern ist. Jede kleine Konzentrationsschwäche wird bitter mit Geschwindigkeitsverlust bestraft. Und von Karol hab ich auch was gelernt: Schmetterlingsegeln mit dem Gennaker. Ist zwar leider bei ORC verboten (Regel 209 oder so), aber das wusste nicht einmal dieser alte Fuchs."